Fahrstraße

Als Fahrstraße bezeichnet man beim Vorbild einen technisch gesicherten Fahrweg für Fahrten von Schienenfahrzeugen über Eisenbahngleise eines Bahnhofs oder der freien Strecke.

Der Begriff wird bei der Modellbahn ähnlich verwendet, bezieht sich hier auf eine Folge von Signalen und Weichen, die meist kurz nacheinander aber auf einen gemeinsamen Auslöser hin geschaltet werden.

Eine Fahrstraße kann aus mehreren Teilfahrstraßen bestehen. Eine Fahrstraße wird nach Bahnhofsfahrordnung für Einfahrten, Ausfahrten und Durchfahrten von Zügen eingerichtet, bei elektronischen Stellwerken (ESTW) ebenso für alle Rangierfahrten (Rangierfahrstraße).

Vorbild (Deutschland)

Durch die Signalabhängigkeit (Verschlussplan) wird sichergestellt, dass sich das zur Fahrstraße gehörende Signal am Beginn der Fahrstraße (Startsignal) nur dann auf Fahrt stellen lässt, wenn alle in der Fahrstraße und im Durchrutschweg liegenden Fahrwegelemente – z. B. Weichen – in der richtigen Lage liegen und der Fahrweg frei von Fahrzeugen ist.

Sobald ein Gleisabschnitt (auch Zugfolgeabschnitt genannt) von einer Fahrstraße beansprucht worden ist, kann er bis zur Auflösung nicht von einer anderen Fahrstraße beansprucht werden. Während des Bestehens einer Fahrstraße ist sie verschlossen, das heißt, die beweglichen Fahrwegelemente (Weichen) können nicht mehr umgestellt werden, bis diese nicht mehr für die Zugfahrt benötigt werden. Erst dann kann die Fahrstraße aufgelöst werden.

In Mitteleuropa wird darüber hinaus für Zugfahrstraßen der Flankenschutz sichergestellt. Die Signalhaltstellung und Fahrstraßenauflösung werden je nach Stellwerkstechnik manuell oder selbsttätig durch Zugeinwirkung herbeigeführt.

Kommt es bei modernen Stellwerken zu einer Belegung eines Teils der Fahrstraße durch ein anderes Fahrzeug oder wird eine Flankenschutzbedingung nachträglich verletzt, fällt das Hauptsignal am Beginn der Fahrstraße auf Halt.

Fahrstraßenausschluss

Um eine feindliche Zugfahrt zu verhindern, gibt es Fahrstraßenausschlüsse.

In Mitteleuropa werden üblicherweise zwei Arten von Fahrstraßenausschlüssen unterschieden:

  1. Einfacher Fahrstraßenausschluss:
    Er kommt automatisch dadurch zustande, dass zwei feindliche Fahrstraßen mindestens ein Fahrwegelement – z. B. eine Weiche – in unterschiedlicher Stellung gleichzeitig beanspruchen. Da in diesem Fall nur eine von beiden Fahrstraßen überhaupt gebildet werden kann, muss dieser Fall nicht ausdrücklich projektiert werden, sondern ergibt sich bereits durch die Stellwerkslogik. Durchrutschwege verschiedener Fahrstraßen können sich allerdings überlappen.
  2. Besonderer Fahrstraßenausschluss:
    Dieser Ausschluss wird immer manuell projektiert und betrifft alle Fälle von Fahrstraßenausschlüssen, bei denen keine Fahrwegelemente in unterschiedlicher Belegung benötigt werden. Typische Fälle sind Fahrten in der Gegenrichtung der jeweiligen Fahrstraße oder Einfahrten aus unterschiedlichen Richtungen in dasselbe Bahnhofsgleis, wenn es nicht durch Zugdeckungssignale unterteilt ist (Gegenfahrschutz).

Signalabhängigkeit

Weichen, die von Zügen gegen die Spitze befahren werden, müssen von den für die Zugfahrt gültigen Signalen derart abhängig sein, dass die Signale nur dann in Fahrtstellung gebracht werden können, wenn alle Weichen für den Fahrweg richtig liegen und verschlossen sind.

Das gilt jedoch nicht auf Nebenbahnen, sofern die Geschwindigkeit dort 50 km/h nicht übersteigt.

Ferngestellte Weichen, die von Reisezügen gegen die Spitze befahren werden, müssen zusätzlich gegen Umstellen unter dem Zug gesichert werden. Diese Aufgabe übernimmt bereits der Fahrstraßenausschluss. Eine Fahrstraße wird zusätzlich festgelegt, sodass sie nach Fahrstellung des Hauptsignals nicht mehr von Hand aufgelöst werden kann.

Auf Schnellfahrstrecken sind für Fahrstraßen in Hauptgleisen Flankenschutzverschlüsse in allen Nebengleisen und zusätzlich Deckungssignale vorgeschrieben.

In der Praxis gehen die Sicherungsmaßnahmen meist noch weiter. Normalerweise sind alle Weichen, nicht nur die gegen die Spitze befahrenen, und weitere Einrichtungen in die Signalabhängigkeit einbezogen. In Gleisbildstellwerken sind in der Regel auch Sicherungseinrichtungen an Bahnübergängen wie Schranken, Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen in die Signalabhängigkeit einbezogen. Das Signal, das die Fahrt zulässt, kann in diesem Fall erst in eine Fahrtstellung gebracht werden, wenn auch der Bahnübergang gesichert ist.

Siehe auch Flankenschutz.

Heutige Stellwerke verfügen auch über gesicherte Fahrwege für Rangierfahrten (Rangierfahrstraßen). Fahrstraßen für Züge müssen höheren Sicherheitskriterien genügen.

Rangierfahrten in besetzte Gleise müssen möglich sein. Zug- und Rangierfahrstraßen, die auf direktem Weg zu ihrem Ziel führen, werden als Regelzugfahrstraßen oder Regelrangierfahrstraßen bezeichnet. Gibt es zwischen Start und Ziel mehrere Fahrwege, lassen sich in modernen Gleisbildstellwerken alternativ auch Fahrstraßen über Umwege bilden (Umfahrzugstraßen, Umfahrrangierstraßen).

Eine Zugfahrstraße für einen in den Bahnhof einfahrenden Zug wird Einfahrzugstraße, für einen ausfahrenden Zug Ausfahrzugstraße genannt. Solche Zugfahrstraßen beginnen an Hauptsignalen.

Eine Fahrstraße beginnt normalerweise an dem Signal, das die Fahrt zulässt (Startsignal), und endet bei der Einfahrt in einen Bahnhof am Ende des Durchrutschwegs des Zielsignals. Dies ist bei Einfahrt in ein Durchgangsgleis meist ein Ausfahrsignal oder Zwischensignal.

Die Fahrstraße für einen aus dem Bahnhof ausfahrenden Zug beginnt am Ausfahrsignal oder, wenn kein Ausfahrsignal vorhanden ist, im Bahnhofsgleis und endet auf Höhe des Einfahrsignals der Gegenrichtung beim Übergang auf die freie Strecke.

Einfahrsignale stehen jeweils im definierten Abstand vom ersten Gefahrpunkt. In der Regel ist das die Rangierhalttafel, sonst die erste Weiche.

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